Mit dem Fahrrad und den Hunden um die Welt

Mit dem Fahrrad und den Hunden um die Welt. Ein tierischer Reisebericht.

Kann man mit Dem Fahrrad auf Weltreise gehen? – Ja, Das geht. Es ist eine besondere Herausforderung für Körper und Psyche und es ist eine wunderbare Art, Ferne Länder zu bereisen.

Ein paar Menschen haben es schon getan und dabei spannende, erstaunliche und einzigartige Erlebnisse gesammelt. Doch keiner von Ihnen kam bisher auf die Idee, seinen Hund mitzunehmen. Das Reisen hat uns schon immer fasziniert, doch meist ist es viel zu schnell vorbei und man findet sich im heimischen Alltag wieder, noch bevor man am Urlaubsort richtig angekommen ist. Daher träumten wir davon, eine Reise mit offenem Ende zu unternehmen.

Ohne die Gewissheit eines Zeitplanes – und auch ohne Flugzeug oder Wohnmobil. Denn wir wollten uns aus eigener Kraft fortbewegen: mit dem Fahrrad. Die Hunde sollten mit. Als sich diese Idee in unseren Köpfen manifestierte, waren wir bereits stolze Besitzer von Gomolf, einem Rhodesian Ridgeback Rüden und Diu, einer Mischlingshündin, die wir vor drei Jahren von einem indischen Strand mitgenommen hatten. Daher stand von Anfang an fest: Wenn wir fahren, nehmen wir die beiden mit.

Doch geht das überhaupt? Wir hatten mehr Fragen als Antworten. Wie weit kann ein Hund pro Tag laufen? Brauchen wir Fahrradanhänger? Was müssen wir an den Grenzen beachten? Wir recherchierten im Internet, wälzten Bücher, befragten Tierärzte und Hundeprofis. Das, was wir zu hören bekamen, war nicht besonders ermutigend: „Die Hunde halten das nicht durch“, „Eine Radreise ist nichts für sie“, „Das ist Tierquälerei!“.

Doch es hatte schließlich noch keiner vor uns versucht, daher wollten wir nicht so einfach aufgeben. So gab es für uns nur eins: bestmögliche Vorbereitung und dann einfach losfahren. Es war der Tag der Abfahrt, als wir unsere Reiseräder das erste Mal mit all unserem Gepäck beluden und damit fuhren. Der Lenker war schwer zu halten, Steuern wurde eine ungewohnt wackelige Angelegenheit. Die Gefährte überhaupt zum Rollen zu bringen, kostete viel Kraft. Unser Gepäck war schwer und umfangreich, denn wir transportierten Kleidung und Campingausrüstung für vier Jahreszeiten.

Daneben hatte jeder von uns einen Fahrradanhänger für die Hunde. Unser Plan war, zunächst entlang der Donau an die Schwarzmeerküste zu fahren. Das erste große Etappenziel hieß Kambodscha. Das Leben in Deutschland haben wir aufgegeben.

Als wir einen ungeplanten Abstecher durchs hügelige Tschechien unternahmen, wurde uns erst so richtig klar, was wir da vor hatten. Jeder kleine Berg kostete extrem viel Anstrengung – zu allem Überfluss waren wir in der größten Sommerhitze unterwegs. Jeden Abend besuchten uns Armeen von Mücken und wir hatten alle Mühe, beim Schlafen im Zelt genug Erholung für den nächsten Tag auf dem Fahrrad zu bekommen.

Doch ein Zurück gab es nicht, denn unsere Wohnung in  München und das Leben in Deutschland hatten wir komplett aufgegeben. So fuhren wir stur immer weiter gen Osten und das Leben auf dem Reiserad wurde bald zum normalen Alltag. Gomolf und Diu liebten das neue Leben unterwegs, denn sie bekamen so viel Auslauf und Abwechslung wie nie zuvor. Ging es bergauf, durften sie neben den Fahrrädern mitlaufen – während wir uns schwitzend nach oben kämpften und gerade mal Schrittgeschwindigkeit schafften.

Die Hunde überholten uns immer wieder, um dann leicht gelangweilt zu warten, bis wir endlich nachkamen. Bei diesem Tempo hatten sie jedenfalls genügend Zeit um aus dem Bach zu trinken, Wasser zu lassen oder kurz das Mauseloch zu überprüfen. „Bleibt schön rechts!“ murmelte ich ihnen leise zu, ohne viel Puste dafür zu verschwenden. Diesen Befehl hatten wir zu Hause trainiert bis zum Umfallen: Rechts Straße nein. Das bedeutet, sie dürfen nur am rechten Straßenrand laufen.

Das war eines der wichtigsten Kommandos, wenn wir unser Vorhaben unbeschadet überstehen wollten. Wurde die Kuppe des Hügels sichtbar, war zumindest dieser Anstieg geschafft. Oben hielten wir kurz an – ab jetzt durften die Hunde sich ausruhen: „Ab in Monz“ und „Ab in Yak“ hieß es da – in Anlehnung an die Bezeichnung der Anhänger. Trotz der Hitze folgten Gomolf und Diu nur widerwillig: Sie wären gerne noch weiter gelaufen. Doch jetzt kam eine längere Abfahrt und da wollten wir die Tiere entlasten.

Gomolf schlüpfte als erster in seinen Monz, kringelte sich gekonnt ein und ließ sich mit einem Seufzer nieder. Auch Diu krabbelte gern in ihre fahrende Hundehütte – natürlich so, dass sie nach vorne sehen konnte um nichts zu verpassen. Jeden Abend suchten wir uns einen Platz, wo wir das Zelt aufbauen konnten. Entlang der Donau fanden wir oft wunderschöne Stellen neben dem Ufer – mitten im Grünen. Jetzt hatten Gomolf und Diu die Gelegenheit, ausgiebig die Umgebung zu inspizieren.

Wo immer wir mit unseren Gespannen auftauchten, ernteten wir viel positive Aufmerksamkeit und fröhliche Gesichter. Als wir Österreich durchquerten, wurden wir von überall her mit neugierigen Fragen bestürmt. Ein Mann schenkte uns Proviant für zwei Tage, so sehr gefiel ihm unser Unterfangen. Sogar die Polizei zeigte Herz und ließ uns – trotz Campingverbots – in Wien auf der Donauinsel übernachten, als ich einen Hitzschlag erlitten hatte Manchmal hatten wir Glück und wurden von freundlichen Einheimischen eingeladen, die Nacht bei ihnen zu verbringen.

In einer serbischen Kleinstadt bot uns ein Mann an, in seinem Garten zu zelten. Die Mutter unseres Gastgebers wohnte nebenan, ihr Hauseingang war auch vom Garten aus zu erreichen. Am zweiten Morgen wurden wir von ihrem überraschten Schimpfen wach: Gestern hatte sie einen Entenbraten im Backofen, wo war der hingekommen?! Diu, der kleine indische Straßenhund, war gestern Nacht nicht im Zelt gewesen, sondern hatte die Gelegenheit (und die Ente) beim Schopf gepackt: Klammheimlich hatte sie sich in die Küche gestohlen und den kompletten Braten aus dem Ofen gezerrt, der nur einen kleinen Spalt offen gestanden hatte! Beschämt klärten wir das Rätsel um die verschwundene Ente auf. Unser Gastgeber, der selbst lange Zeit in Asien verbracht hatte, fügte erklärend hinzu: „Sie ist aus Indien, Mutter, sie kann nicht anders.“ Da nickte die Frau verständnisvoll, auch sie hatte dieses Land schon bereist. Sie verschwand in ihrer Küche. Zurück kam sie mit ein paar Fleischresten von gestern, die sie alle dem Hund hinwarf. Diu stürzte sich gierig darauf. Erziehungseffekt – negativ. Doch wir waren froh, dass niemand wütend war und revanchierten uns später mit einem Gastgeschenk.

Scheidepunkt am Schwarzen Meer. Als wir nach drei Monaten und 2.500 Kilometern Constanta, Rumänien und damit die Schwarzmeerküste erreichten, standen wir vor der wichtigen Entscheidung, in welche Richtung wir weiterfahren sollten. Per Fähre über das Meer zu kommen, war schwieriger als gedacht, da viele Linien den Betrieb eingestellt hatten. Richtung Bulgarien und Türkei würden wir mit schwierigen Reiseländern wie Pakistan konfrontiert sein. Richtung Norden müssten wir einen großen Umweg in Kauf nehmen – und das, obwohl uns der Winter im Nacken saß.

Gomolf und Diu spielten ausgelassen am Strand – Lebensfreude pur. Auch wenn wir noch nicht sicher waren, wie es weiterging – eines wussten wir bestimmt: Eine Radreise mit Hunden ist nicht nur möglich, sondern ein wunderschönes Erlebnis – für Mensch und Tier.

 

Urlaub mit Hund – weiterführende Links:

Hundefreundliche Ferienwohnungen, Hotels etc. (alle) | Alle Ferienregionen & Hotels mit Hund | Ausflugsziele mit Hund (alle) | Kurzurlaub mit Hund und mehr – alle Angebote | Reisegutscheine schenken | Urlaub mit Hund (START)